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Olivenernten

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Die Informationsgemeinschaft Olivenöl informiert (finanziert von der EG)
www.olivenoel-info.de

In unserer Mühle wird auch das gute biologische Olivenöl von Francesco de Padova hergestellt
www.oliodepadova.it/start.html

Olivenernte 2002

Sein Pech: Es herrscht Krieg. Der Krieg ums Olivenöl. Überall in der Stadt brennen an strategisch wichtigen Punkten riesige Scheiterhaufen aus Ölbaumästen. Man will damit verhindern, dass überängstliche Bauern auf ihre Felder hinausfahren.
Es herrscht das totale Chaos!
Die Bezirksdirektion der Privaten Bauern fordert Garantien. Sie verlangt finanzielle Unterstützung für die Lagerung des Öls, einen sofortigen Einfuhrstopp für Olivenöl aus EU- und Nicht-EU-Ländern, den Einsatz der Lebensmittelpolizei in den Häfen, den Olivenraffinerien, der gesamten Speiseölindustrie und an den Verteilerstellen zwecks ständiger Qualitätskontrollen! In den letzten Jahren sollen große Mengen minderwertigen Ölst aus Griechenland und dem Maghreb importiert worden sein. Vor ein paar Jahren soll sogar Haselnussöl aus der Türkei importiert und als Olivenöl verkauft worden sein.
Mittlerweile brennen im allgemeinen Durcheinander mit unheilvollem Knacken blühende Olivenbaumzweige!
Armer, göttlicher Ölbaum, was für ein Ende bereiten sie dir!
In früheren Jahrhunderten standen die Leute voll Ehrfurcht vor dir, um dir mit Zimbel- und Flötenspiel zu huldigen! Verschleierte Tänzerinnen wogten vor dir auf und ab und schmückten deinen mäßigen Silberstamm mit Blumen! Auf den Knien verehrten dich alle, in demütigem Gebet.

Tommaso Di Chiaula
in: Die Wasser Apulliens
2001, edition KAPPA, München und Wien
übersetzt von Johannes Wolfgang Paul
Originaltitel: Acque sante, acque marce,
1997, Sellerio, Palermo

Unsere erste Olivenernte ist vorüber. Zwar liegen noch etliche Oliven auf dem Boden - sicher sind es noch einmal 100 kg, doch ich lasse sie liegen. Diese Freiheit wollten wir uns nehmen - auch mal Früchte der Natur liegen lassen, nicht ernten.

Nicht nur bei Tommaso di Ciaula war die Ernte schlecht - nein, es war ein schwieriges Jahr für die Landwirtschaft in Apulien. Im Norden fehlt Wasser und hier im Süden hatte es zu viel geregnet. Während letztes Jahr im März der letzte Regen fiel und dann wieder ein paar Tropfen im August, regnete es dieses Jahr viel, zu viel. Kein gutes Jahr für Früchte, also auch keins für Oliven.

Letztes Jahr waren wir zwar schon Besitzer der Olivenplantage, doch der Handwerker Nicola fand es nicht für nötig, uns unseren Anteil an Olivenöl zu geben (nach langem Gezackere gab es 5 Liter).

Im Frühjahr schnitt ich die Bäume zaghaft, der nächste Schnitt wird ein viel heftiger sein müssen. Dann las ich von der Notwendigkeit, zwei mal im Jahr zu spritzen, realisierte es aber nicht und verpaßte so die Frühjahrsspritzung. Im August wär die zweite fällig gewesen - wir holten sie im September nach.

Doch die gefürchtete Olivenfliege hatte sich breitgemacht und verhinderte überall, daß die Oliven groß wurden. Sie fielen frühzeitig schon ab September vom Baum. Aber das ging allen so, ob sie nun gespritzt hatten oder nicht.

Mitte Oktober legten wir dann los: Dagmar und ich und unsere zwei Nachbarn Siegfried und Christine. Drei Tage voller Einsatz und wir hatten 330 Kg geerntet. Nach anfänglichem reinen Handernten starteten wir am zweiten Tag, als wir feststellten, daß wir bis dato weit weniger als ein Drittel geerntet hatten, mit einer Abstreifmethode mit Plastikrechen. Längst nicht so schön, so angenehm wie das langsame Pflücken vom Baum. Aber effektvoll. Nur so kamen wir auf unser Soll von 300 Kg.

Da Ernten von Hand ist eine meditative Aufgabe. Olive für Olive wird vom Zweig gepflückt, die schöne grüne oder schwarze Olive liegt gut in der Hand, es ist eine Freude, zu Ernten.

Nur wollten wir die Dreitagesfrist einhalten, damit die Qualität gut ist. So war die rationellere Erntemethode angesagt.

Der Dottore der Cooperativa in Avetrana hatte sich in der Produktion erkundigt: Mahltermin sollte Freitag sein. Doch dann war keine biologische Marche frei und wir wurden auf Samstag vertröstet. Samstag fiel dann die Maschine aus und es wurde erst am Sonntag aus unseren Oliven Öl gemacht. Hätten wir es vorher gewußt, hätten wir noch die restlichen Oliven von den Bäumen gepflückt. Kismet.

Dafür gab es immerhin noch ein brauchbares Öl mit 3,6 Grad Säure. Für den Privatgebrauch durften wir es mitnehmen, über zwei Grad darf die Presse das Öl nicht herausgeben. Doch Olivenbauern erzählten uns, daß sie durchaus auch schon Öl mit 7 Grad Säure hatten.

Soviel bekamen wir dann nach der zweiten Ernte, Ende Oktober. Jetzt halfen uns einen Tag lang noch Tömmi und Beate und ihre beiden Buben Lucas und Martin und wieder Siegfried. Dieses Mal lasen wir die Oliven hauptsächlich vom Erdboden auf. So werden hier die meisten Oliven geerntet. Sie fallen herunter, dann werden sie zusammengefegt, in einem Sieb gereinigt und noch ordentlich mit Blättern und Erde vermischt dann zur Mühle gebracht. Noch einmal gab es 21o Kg.

Hatten wir beim ersten Mal 44 Liter bekommen, gab es beim zweiten mal 22 Liter. Der Vorbesitzer meinte, sie hätten immer mindestens 100 Liter bekommen, manchmal auch zweihundert Liter. Vorher hatten uns manche erzählt, wir könnten 4oo oder mehr Liter Öl bekommen - Seemannsgarn oder Olivenbauerngarn?

Die Cooperativa in Avetrana ist ein modernst eingerichteter Betrieb. Dort werden auf drei Förderbändern die Oliven zuerst gewaschen, vom Dreck und Zweigen gereinigt. Dann werden sie leicht erwärmt und mittels sich drehender Messer zu einer Maische verarbeitet. Dann wird durch einen Extraktionsgang das Fruchtwasser vom Öl getrennt. In kleinen Fässern wird das Öl für die jeweiligen Besitzer gesammelt. Viele Bauern verkaufen auch ihre Oliven - der diesjährige 100 Kg-Erlös ist 19 Euro. Ein kärglicher Lohn für so viel Arbeit. Allerdings wird es noch Geld der Europäischen Gemeinschaft geben, die den Unterschiedsbetrag zum Weltmarktpreis bezahlt. Ende des Jahres bekommen wir unsere erste Zahlung.

Wir können auch in ein Programm einsteigen, damit wir die Anerkennung als ökologischer Olivenbetrieb erhalten. Es ist allerdings die Frage, ob sich das dreijährige Einsteigerprogramm mit jeweils ca. 1000 Euro wirklich lohnt. Wir werden dies diskutieren.

Nächstes Jahr werden wir im Oktober eine Erntewoche ansetzen (leider läßt sich das nicht langfristig planen, weil unklar ist, wann der richtige Zeitpunkt sein wird, die Oliven 2003 zu ernten) und hoffen, daß wir dann mit einigen weiteren Helfern die Ernte pflücken können.

Dieter Emil Baumert
2002-11-03

Ich fragen ihn, wie heuer das Olivenjahr werde, schlecht, sagt er. Die Oliven sind schon schwarz geworden, infolge einer Krankheit. Es wird dieses Jahr wenig Öl geben. Ich frage weiter: Wird der Ölpreis dadurch steigen? "Was heißt steigen? Steigen? Er bleibt immer bei zweitausend, zweitausendzweihundert Lire für das Kilo. Ein Elend ist das. Das musst du dir vorstellen. Bis so um 1937 waren die Preise ausgeglichen. Ein Kilo Öl entsprach einem Kilo Fleisch. Du musst bedenken, dass sich damals nur wenige Fleisch leisten konnten. Es gab auch nicht so viele Metzgereien wie heute. Man verkaufte das Fleisch auf dem Marktplatz. Wir kauften allenfalls mal ein Stück Speck, das war unser Fleisch."
Tommaso Di Ciaula

in: Das bittere und das Süße
Über die Liebe, das Scherenschleifen und andere vergessene Berufe.
1982, Wagenbach-Verlag, Berlin

Olivenernte 2002

Rosa und Siegfried bei der Olivenernte

Olivenernte 2002

Siegfried, Christine und Rosa haben schon ordentlich geerntet.

Olivenernte 2002

Wofür Bennys Tee-Kisten alles gut sind: Olivenpool

Olivenernte 2002

Geschafft: Die erste Marge ist geerntet:
330 Kg - wir sind stolz!

Olivenernte 2002

Stolzer Don Emilio vor der eigenen Ernte - zum Verarbeiten bereit

Olivenernte 2002

Die Bestätigung im Büro: Wirklich 33o Kg (und beim zweiten Mal noch einmal 210 Kg)

Olivenernte 2002

Die Oliven einer Marche am Anfang des magischen Prozesses

Olivenernte 2002

Die Oliven werden mit Wasser gereinigt und Erde und Zweige von Oliven getrennt.

Olivenernte 2002

Der magische Reinigungsprozess nimmt seinen Fortgang - und staunende Beobachter.

Olivenernte 2002

Die Oliven werden in diesem Behälter zu einer Maische vermahlen.

Olivenernte 2002

Hier wird auch feinstes biologisches Extra-Vergine Öl hergestellt und zwischengelagert.

Olivenernte 2002

Den Oliven wurde das Öl genommen, hier läuft der goldene Saft Apuliens in die Fässer der Kleinbauern.

Olivenernte 2002

Unser Öl wird aus dem Fass mit dem Namensschild Dieter Emil Baumert in mitgebrachte Kanister gefüllt. Fachgespräch zwischen altem Hasen und junger Häsin (smile)

Die Probe vom Maestro ergibt: Säuregrad 3,6.
Ein gutes Bauernöl für den Eigengebrauch! Gratulation. Bis nächstes Jahr in Apulien

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